GestaltWerk

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Artikel Gestalttherapie

In diesem Artikel geht es um die Nutzbarmachung der Polyvagaltheorie für eine praktische Anwendung in der gestalttherapeutischen Arbeit. Der Artikel zielt anhand einer Einführung in die Theorie sowie mit Beispielen aus der Praxis insbesondere auf ein Verständnis von autonomen Körperreaktionen in der Begleitung von Traumata und bietet für deren Therapie mögliche Hilfestellungen.

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Aus der Ankündigung des Verlags

Erscheinungsdatum: Mai 2021 

Dieses Buch beschreibt die Möglichkeit einer praktischen Umsetzung der Polyvagaltheorie in der therapeutischen Arbeit. Ausgangspunkt ist die Gestalttherapie in ihrer dialogisch-phänomenologischen Ausrichtung. Die Konzepte der Polyvagaltheorie werden erläutert und zu Dialog, Kontakt und autonomen Körperreaktionen in Beziehung gesetzt. Es wird gezeigt, wie die Theorie durch eine spezifische therapeutische Haltung erfolgreich in der Praxis eingesetzt werden kann. Praxisbeispiele demonstrieren die Anwendung. Dabei wird deutlich, dass auch andere Therapieformen, die über Kontakt sichere Räume für Betroffene erzeugen können, gleichermaßen für die Anwendung der Polyvagaltheorie geeignet sind. Es geht in diesem Buch um die Schaffung einer Verständnisgrundlage, wie im psychotherapeutischen Prozess gezielt mit autonomen Körperreaktionen gearbeitet werden kann. Gerade bei einem erlebnisorientierten therapeutischen Vorgehen sind diese autonomen Körperreaktionen sehr häufig zu beobachten und können gezielt für die Integration von traumatischem Erleben eingesetzt werden.
Die Polyvagaltheorie stellt ein Theoriegebäude vor, das autonome Körperreaktionen in ein Erklärungsmuster einbettet. Insbesondere in der Arbeit am Trauma, aber auch bei anderen seelischen Themenstellungen, sind es zu einem nicht unerheblichen Teil diese unwillkürlichen Reaktionen, die in der Folge zu massiven Schwierigkeiten der Affektkontrolle wie Angst- und Panikattacken, Flashbacks, Depressionen, psychosomatischen Problemen und dissoziativen Symptome führen. Betroffene sind diesen organismischen Reaktionen oft hilflos und ohnmächtig ausgeliefert.
Interessierten Betroffenen kann dieses Buch Erklärungen liefern, warum sie in vielen Situationen ihre Empfinden und Verhalten nicht kontrollieren können, obwohl sie sich verzweifelt bemühen. Sie können hier erste Schritte in der Selbstregulation erfahren und so im Vorfeld abschätzen, ob diese Art der therapeutischen Arbeit für sie geeignet erscheint. Die Arbeitsweise wird immer mit der Theorie in Bezug gesetzt, so dass Therapeut*innen befähigt werden, ihren eigenen Arbeitsstil bei der Anwendung der Polyvagaltheorie zu entwickeln.
Das Kernelement des Buches ist die praktische Umsetzung. Viele ausführlich kommentierte Fallbeispiele verdeutlichen die Möglichkeiten, wie die Polyvagaltheorie in die therapeutische Praxis integriert werden kann. So wird der Text zu einem hilfreichen Begleiter für Betroffene und Therapeut*innen unterschiedlicher Ansätze.

                    

»Körperempfindungen sind ein zentraler Bestandteil im traumatischen Prozess, deshalb müsse eine erfolgreiche Arbeit am Trauma den autonomen Körperreaktionen mindestens ebenso viel Beachtung schenken wie dessen kognitiver Verarbeitung.
Der Autor beschreibt sehr detail- und umfangreich die Forschungsergebnisse von Porges über chronifizierte autonome Körperreaktionen infolge von Traumatisierung und seine Empfehlungen über den therapeutischen Umgang damit. Mit geschärftem Blick für sonst leicht zu übersehende Körperprozesse wird der Leser angeregt, diese gezielter im therapeutischen Prozess aufzugreifen und proaktiv zu nutzen.
Das Buch zeigt, wie mit relativ einfachen Methoden und Mitteln KlientInnen, die oft in überbordenden Affekten steckenbleiben, Auswege finden und sich selbst soweit wieder regulieren lernen, dass ihnen die Verarbeitung der traumatischen Erfahrungen nicht nur kognitiv sondern auch auf der somatischen Ebene gelingen kann.
Der Autor zeigt, wie die Umsetzung der Erkenntnisse der Polyvagaltheorie in humanistisch orientierten Verfahren wie der Gestalttherapie gelingen und sie bereichern können.«
(Dipl-Psych. Josta Bernstädt, Redaktion der Zeitschrift ‚Gestalttherapie‘)

                    

Aus dem Inhalt

  • Trauma und Autonomes Nervensystem
  • Neurozeption
  • Reaktionen des Organismus
  • Soziale Kommunikation
  • Mobilisation – Kampf- oder Fluchtverhalten
  • Immobilisation – Totstellen, Verhaltensstarre
  • Co-Regulation
  • Therapeutische Konsequenzen
  • Therapie und Polyvagaltheorie
  • Sprache und Erleben
  • Den Körper deuten
  • Experimente
  • Whoo -Sound
  • Trauma Reaktionspfade
  • Spürbewusstsein wiederherstellen
  • Wege aus der Immobilisation
  • Etablierung sozialer Kommunikation
  • Berührung
  • Co-Regulation mit Paaren
  • Unkontrollierte defensive Zustände auffangen
  • Materialien

Aus der Ankündigung des Verlags

Das Buch versucht, den herrschenden Diskurs zur Traumatherapie aufzubrechen. Ziel ist eine Haltung zu entwickeln und verständlich zu machen, welche die Erkenntnisse unterschiedlicher Schulen und Theorien vor dem Hintergrund individueller Biografien zu einer sinnhaften Gestalt werden lassen.
Im Mittelpunkt dieses Buches steht die Arbeit des Neurologen Kurt Goldstein (1878-1965). Sein disziplinübergreifender Ansatz macht ihn bis heute zu einem Vordenker der psychosomatischen Medizin. Die Forschungsarbeit mit hirnverletzten Soldaten des ersten Weltkriegs ließen eine biologisch begründete Anthropologie entwickeln, die sich ins Philosophische hinein entwickelt. Er befasste sich mit dem Leib-Seele-Problem, wie es auch heute wieder von den Neurowissenschaften aufgeworfen wird. Der „naturalistische Kurzschluss“, der heute vielfach in den Neurowissenschaften vorzufinden ist, wurde schon von Goldstein kritisiert und macht sein Denken damit wieder hochaktuell.
Trauma ist für Kurt Goldstein ein existentielles Ereignis, das den Menschen in seinem Sein erschüttert. Nach einem Trauma befinden sich Menschen häufig in existentiellen Krisen, die sich nicht allein im vorherrschenden naturwissenschaftlichen Ursache-Wirkung-Paradigma fassen lassen. Ein Paradigma, das Sinnfragen nicht berücksichtigt. Eben diese Sinnfragen jedoch stellen sich die Betroffenen bei der Verarbeitung traumatischen Erlebens, und deren Ausklammerung behindert die Arbeit am Trauma. Diesen Konflikt nimmt das Buch zum Anlass, den aktuellen klinisch-pragmatischen Trauma-Diskurs im gesellschaftlichen Kontext zu verstehen, ihn kritisch zu beleuchten und ihn zu einer philosophisch-phänomenologischen Sichtweise ins Verhältnis zu setzen.
Der spezifische Beitrag der Gestalttherapie zu diesem Buch ist ihre gesellschaftskritische Haltung, die dem Phänomen des Traumas zusätzlich einen erweiterten Rahmen gibt. Die konzeptionelle Integration somatischer Reaktionsmuster vor dem Hintergrund einer erlebnis- und beziehungsorientierten Haltung sind wesentliche Bestanteile des hier vertretenen Ansatzes und machen ihn in dieser Form eigenständig, aber auch anschlussfähig an andere therapeutische Schulen. Dadurch erweitert sich die Sichtweise auf Trauma, und der Diskurs verschiebt sich – weg von individueller Dysfunktionalität – in Richtung gesellschaftlicher Verursachung und Verantwortung.
Traumatherapeutisches Handeln erhält eine breitere Fundierung und deutlich erweiterte Interventionsmöglichkeiten.
Neben der theoretischen Grundlegung werden Handlungsdimensionen und Handlungsebenen für die praktische Umsetzung entwickelt. Dies wird mit ausführlich kommentierten Fallvignetten beispielhaft umgesetzt, die zahlreiche aus der alltäglichen therapeutischen Praxis kommende Hilfen bieten.
Ein Buch für Therapeuten unterschiedlicher Schule, für Lehrende wie für Lernende.

»Dieses Buch ist jedem zu empfehlen, der an einer kritischen, zugleich vertieften Auseinandersetzung mit der gestalttherapeutischen Grundhaltung interessiert ist. Es folgt nicht dem Mainstream ‚behandlungsorientierter Traumatherapie‘, sondern besinnt sich auf die humanistischen Wurzeln, insbesondere auf Kurt Goldsteins holistisches Verständnis menschlicher Existenz und auf Lore Perls‘ ‚Begegnung an der Grenze‘. Der Autor relativiert die so verbreitete Unterscheidung in krank und gesund, indem er das krankmachende Feld und die damit notwendigerweise entstehende ‚existenzielle Angst‘ hervorhebt. Er betont, dass jede auch noch so problematische Entwicklung zunächst eine kreative Anpassung an das destruktive Feld ist. Das entlastet den traumatisierten Menschen von einer Stigmatisierung und nimmt ihm ein Stück Verantwortung und Bürde für sein Leiden. Es geht dann darum, gemeinsam die zu Grunde liegende existenzielle Angst zu erforschen und wie sie die Kommunikation, Wahrnehmung und Kontaktfähigkeit einschränkt. Um der ‚Katastrophenangst‘ zu entgehen, braucht es den Mut, die im Hier und Jetzt überflutende Angst in erträgliche und bewältigbare Furcht zu verwandeln. Das erfordert eine hochsensible, dialogische Beziehung, in der Betroffene wie Therapeut_innen gleichermaßen involviert und engagiert sind. Das Buch ist ein wunderbares und geistreiches Plädoyer für Therapie auf Augenhöhe. Und es schenkt reichlich praktische Anregungen.« (Peter Toebe, IGW - Institut für Integrative Gestalttherapie Würzburg)

Aus der Ankündigung des Verlags

Traumatische Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen werden in diesem Handbuch in den Kontext schulischer Bildung und Erziehung gestellt. Die inter- und transdisziplinären Beiträge arbeiten traumaspezifisches und differenzsensibles Wissen auf, zeigen wie Vulnerabilität fernab vorherrschender Diagnosen gedacht werden kann und welche Unterstützungsleistungen Kinder und Jugendliche mit traumatischen Erlebnissen im schulischen Alltag erfahren können.

Das Handbuch bietet Orientierung innerhalb der wissenschaftlichen Perspektiven zum Phänomen und zur Politik des Traumas und lädt ein, die Differenzen und Ambivalenzen von Leid in Bildungsprozessen anders zu denken.