dialogisch - existentiell - politisch

Heterotopie

Heterotopie (gr. hetero (anders) und topos (Ort)) ist ein Begriff, der ursprünglich von dem französischen Philosophen Michel Foucault formuliert wurde und mit Andersort umschrieben werden kann. Darunter versteht er Orte, die zwar in der Gesellschaft existieren, die jedoch die vorherrschende Ordnung mitsamt ihren Imperativen nicht wiederholen, sondern eigensinnig etwas Anderes danebensetzen. Dies geschieht, indem diese Orte nach anderen Regeln ticken. Indem Dinge, Existenzweisen und Praktiken sichtbar werden dürfen, welche sonst unter die Räder kommen.

Heterotopien sind „wirkliche Orte, wirksame Orte, die in die Einrichtung der Gesellschaft hineingezeichnet sind, sozusagen Gegenplatzierungen oder Widerlager, tatsächlich realisierte Utopien, in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind, gewissermaßen Orte außerhalb aller Orte, wiewohl sie tatsächlich geortet werden können.“ (Michel Foucault)

Fragen unserer Gesellschaft lassen uns nicht unberührt. Die Fragen nach Existenz, Freiheit, Mut und Angst werden häufig nur systemkonform beantwortet und normalisiert, wie es die dominanten pathologischen und neuromythologische Strategien zeigen. Diese Fragen verlieren die bewegende Unruhe und schöpferische Kraft, die ihnen ursprünglich zu eigen ist. Wirklich Neues entsteht nicht durch Anpassung und Unterwerfung an Normen.

Heterotopien stellen das „Man“ in der Welt, Normen und Konventionen  in Frage. Sie entstehen an den Rändern und schaffen Räume für Neues.

anders sehen, anders handeln, anders leben

So steht das LPI für einen tatsächlichen Ort der Bezogenheit, des Eigensinns und der Widerspenstigkeit gegenüber dem „man“ und dem Status Quo: das LPI ist kein klassisches Ausbildungsinstitut und funktioniert nicht nach den Regeln der Optimierbarkeit, oder einer Funktionalität von Bildung. Das LPI als „Widerlager“ kultiviert die Sorge-für Sich und die Sorge-für-Andere.

„Gestalttherapie ist ein anarchistischer Prozess in dem Sinne, dass sie keinen vorgefertigten Formen und Regeln genügt. Sie will nicht den Menschen an ein bestimmtes System anpassen, sondern vielmehr an sein eigenes schöpferisches Potential.“ (Lore Perls)

Sich begegnen, sich bilden und sich begleiten, verbirgt die Möglichkeit, einer gelebten Heterotopie: gemeinsam voneinander, miteinander und füreinander erfahrungsorientiert Lernen.