dialogisch - existentiell - politisch

Gestaltarbeit

Es sind vor allem die Fragen der Existenz, die uns bewegen. Der ästhetisch verstandene Begriff der Gestalt als eine Figur vor einem Hintergrund  ist ein Zugang zur Welt, der existentielle Themen erlebbar werden lässt.

Mut, Freiheit und Angst sind die anthropologischen Dimensionen, die uns in Bewegung bringen, uns beunruhigen wie auch antreiben. Die Beschäftigung mit menschlicher Existenz ist immer auch die Beschäftigung mit den menschlichen Polen, mit unserer Vitalität und mit unserer Vulnerabilität, mit Sein und Nicht-Sein. Dieser existentielle Anklang findet  im Raum des Zwischen, dem Ich und dem Du seinen Widerhall. Und dieser ist stets eingebunden in gesellschaftliche und politische Fragen, die beunruhigen und herausfordern, Räume des Zwischen zu gestalten.

Dieses schöpferische Tun und Sein kann dem Leben Gestalt, gefühlte Bedeutung und Ästhetik geben. Und damit ist dieses Fragen stets ein Suchprozess nach erlebten Sinn und gelebter Sinnlichkeit, nach dynamischen Figuren vor einem Hintergrund und nach dem De-strukturieren fixierter Gestalten. So stellen wir uns vor dem Hintergrund der Weiterentwicklung der Gestalttherapie die kantischen Fragen: Was ist der Mensch? (Anthropologie), Was kann ich wissen? (Erkenntnistheorie), Was darf ich hoffen? (Ethik, Religion und Spiritualität), Was soll ich tun? (Politik und Gesellschaft)

Die hier vordergründige Gestaltbildung erwuchs aus den dominierenden effizienzorientierten, neoliberalen Entwicklungen im Hier und Heute wie sie im herrschenden Wissensdiskurs der Medikalisierung von Leid gängig ist. So fordert der durch das Psychotherapeutengesetz konformistische Zwang zur Einpassung regelrecht eine Praxis der Differenz und damit auch die Herausforderung der Grenzziehungspraxis: Was ist assimilierbar, was nicht? Wo braucht es klare Konturen und Mut zur Andersheit? Wo gibt es Knotenpunkte und Potential zur Integration? Und wann werden Positionierungen zur Notwendigkeit ethischer Legitimation zur „Erhaltung“ des Gestaltansatzes – so wie er ursprünglich gelebt und gedacht wurde?

„Lore Perls fürchtete um den Kern der Gestalttherapie, der vor allem die vom Existentialismus geprägte Haltung zum Menschen ist, denn ohne diese existentielle Basis verlieren die durchschlagenden Techniken ihren Sinn. (…). Ihrem Ziel, den tragfähigen Bestand zu erhalten und zu verbreiten, hoffte sie mit ihren bewährten Waffen: Zähigkeit, Klarheit, Geduld und Mut näherzukommen.“ (Schneider Kristine aus Gestaltkritik)

In Anlehnung an Lore Perls möchten wir die Gestaltarbeit als eine Arbeit an der Grenze, als eine besondere Arbeit mit dem Hintergrund und als eine Arbeit mit unserem Da-Sein-in-der-Welt wieder stark machen.

  • Grenzarbeit als Wagnis, sich selbst aufs Spiel zu setzen.
  • Hintergrundarbeit als schöpferische Dynamik des Ästhetischen
  • Existenzarbeit als dialogische Lebenskunst