dialogisch - existentiell - politisch

Begleiten

Begleiten stellt die hohe Kunst menschlicher Begegnung dar, insofern sie die transformativen Momente der Begegnung, die Präsenz, die Umfassung und die Bestätigung (Gary Yontef) einfordert: sein inneres Bild vom Anderen verstören lassen, brüchig werden lassen zugunsten eines ethnografischen Blickes der dialogischen Haltung, erfordert ein sich immer wieder neues „sich-Einklinken“ und sich-Hinwenden in der situativen Begegnung sowie eine Wachheit für eine emotional Wahrnehmung,für ein leibliches Betroffensein und eine existenziellen Anerkennung des So-Seins.

Mit der Frage "Wer bist Du?" betritt man den Raum des Dialogischen: Darin kann sich der einzeln durch den Andreren erkennen, als der/die Mögliche, der er/sie ist. Begleiten ist ein relationaler Prozess , insofern dieser stets auf (bedeutsame) Andere bezogen ist, sich im dynamischen „Zwischen“  vollzieht und auf der Folie einer „relationale Begehrensmatrix“ –  ein Bedürfnisfeld nach Beachtung, Beziehung und Anerkennung – verläuft.

Wir lernen also nicht nur „von, durch, mit, sondern auch für Andere“ (Künkler): „Dass wir begehren von Anderen geliebt, begehrt und wertgeschätzt oder zumindest beachtet zu werden, dass wir begehren, für Andere von Bedeutung zu sein, ja wir gar die Beziehung zu Anderen selbst begehren, evoziert, verhindert und strukturiert Lernprozesse“ Und damit auch Wachstumsprozesse.

Die Zuwendung und Empfänglichkeit als tragende Dimensionen persönlichen Begegnungen kreisen einerseits um die Stärkung des EigenSinns, der Aktivierung und Gratifikation des jeweiligen Hintergrundes und andererseits um das Ernstnehmen der Vulnerabilität und der Gefährdung durch das Eingebundensein mit Anderen in sozialen Resonanzverhältnissen.

Lore Perls ursprünglicher Vorschlag Gestalttherapie als „existenzielle Therapie“ (neben „Konzentrationstherapie“) als eine dialogischen Beziehungsarbeit zu bezeichnen, wird in dieser Tätigkeitsdimension zur Figur.